Chemnitz zählt zu den traditionsreichsten Schwimmstandorten Deutschlands. Bereits zu DDR-Zeiten war die Stadt eine Hochburg des Schwimmsports. Von hier aus schaffte die Auer BSG-Sportlerin Hannelore Anke den Sprung an die Weltspitze und gewann bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal Gold über 100 Meter Brust sowie mit der 4×100-Meter-Lagenstaffel. Auch heute mischen Chemnitzer Schwimmer wieder international mit, allen voran Lise Seidel, Achte der Weltmeisterschaften über 200 Meter Rücken.
Seit dem Sommer trainiert auch Lina Waldenburger, eine der besten Nachwuchsschwimmerin des FC Erzgebirge Aue, am Landesstützpunkt Chemnitz. Wir haben mit ihr über ihre Entscheidung, den Trainingsalltag und ihre Ziele gesprochen.
Lina, was war dein Beweggrund, an die Sportschule nach Chemnitz zu gehen?
Eigentlich wollte ich am Anfang gar nicht auf die Sportschule gehen. Nach meiner Bronzemedaille bei den Landesmeisterschaften in Leipzig habe ich aber gemeinsam mit meinem damaligen Trainer darüber gesprochen. Danach ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf und schließlich habe ich den Entschluss gefasst, es einfach zu versuchen.
In Sachsen gibt es drei Landesstützpunkte. Warum ist es am Ende Chemnitz geworden?
Ich habe sehr intensiv mit meinem Trainer darüber gesprochen. Chemnitz hat für mich den großen Vorteil, dass ich jeden Tag nach Hause fahren kann. Außerdem ist hier alles an einem Ort, Schule und Trainingsstätten sind optimal miteinander verbunden.
War es auch ein Beweggrund, dass Chemnitz aktuell der erfolgreichste Stützpunkt in Sachsen ist? Hier trainieren mit Lise Seidel, Jule Ackermann und anderen führende deutsche Schwimmer.
Soll ich ehrlich sein? Lina grinst. Eigentlich nicht. Erst nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, habe ich mich intensiver mit den Sportlern hier beschäftigt. Im Sommer habe ich dann die Weltmeisterschaften verfolgt und Lise Seidel im WM-Finale gesehen – das war schon beeindruckend.
Ist es etwas Besonderes, mit diesen „Stars“ das Becken zu teilen?
Das ist schon cool, auch wenn wir nicht immer zusammen trainieren. Am Stützpunkt gibt es vier Trainingsgruppen mit unterschiedlichen Trainingszeiten. Wenn wir aber mal bei der stärksten Trainingsgruppe zuschauen können, fragt man sich schon, wie sie das alles schaffen. Viel Zeit zum Staunen bleibt allerdings nicht – wir müssen ja selbst ordentlich trainieren;-)
Ein halbes Jahr ist nun vergangen. Was waren bisher deine größten Erfolge und welche Ziele hast du für diese Saison?
Die Medaillen bei den Landesmeisterschaften auf der Kurzbahn in Riesa waren auf jeden Fall ein Highlight. Auch beim Wettkampf letzte Woche in Magdeburg sind mir gute Zeiten gelungen.
Ich bin stolz darauf, dass ich mich technisch weiterentwickeln konnte, sowohl im Rücken als auch im Brustschwimmen. Über 100 Meter Rücken bin ich 1:10 Minuten und über 200 Meter Brust 2:52 Minuten in Magdeburg geschwommen. Mein großes Ziel ist die Teilnahme an den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin. Dort in den lila-weißen Farben zu starten, wäre richtig cool.
In Hamburg warst du zuletzt noch mit deinem alten Teamkameraden aus Aue beim Abschlusswettkampf.
Was ist der Unterschied zwischen Aue und Chemnitz?
Der große Unterschied ist, dass wir mit dem „Veilchenschwimmern“ auch viel abseits des Beckens zusammen machen. In Hamburg waren wir zum Beispiel nach dem Wettkampf noch im Dungeon und alle im Einkaufszentrum, das finde ich richtig schön. In Aue sind außerdem meine alten Freunde, und ich verbringe einfach gern Zeit mit ihnen.
Wie schwer war die Umstellung im Training?
Das war schon eine riesige Umstellung. In Aue habe ich viermal pro Woche trainiert, in Chemnitz sind es sechs Einheiten plus Profilsport Schwimmen. Die Trainingseinheiten sind länger und wir haben hier ein 50-Meter-Becken, dass macht einen großen Unterschied.
Was war bisher das Lustigste, das du an der Sportschule erlebt hast?
Bei einen meiner ersten Trainings war ich so kaputt, dass ich meine neue Trainerin Frau Humburg aus Versehen mit „Philipp“ angesprochen habe. Das war mir mega peinlich, aber wir haben beide darüber gelacht.
Weihnachten steht vor der Tür – was hast du in den Ferien vor?
Normalerweise haben wir in den Ferien Trainingslager, aber in den Weihnachtsferien dürfen wir tatsächlich mal frei machen. Ich freue mich aufs Ausschlafen und darauf, einfach etwas Zeit für mich zu haben.
Vielen Dank, Lina, für den Einblick in deinen Alltag. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg, Spaß im Training und drücken dir für deine kommenden Wettkämpfe fest die Daumen.
